Leben ist besser mit Musik

Das Carnegie-Prinzip im EMP-Bereich

Einleitung

Dale Cargenies Werk "Wie man Freunde gewinnt" basiert auf einem zutiefst humanistischen Menschenbild: Menschen möchten sich bedeutsam, gesehen und verstanden fühlen. Diese Grundüberzeugung deckt sich in bemerkenswerter Weise mit dem Kern elementarer Musikpädagogik (EMP), die das Kind in seiner Ganzheitlichkeit - körperlich, emotional, sozial und kreativ - in den Mittelpunkt stellt.

Die folgende Reflexion übertragt ausgewählte Prinzipien Carnegies auf die konkrete Arbeit in der EMP-Stunde und zeigt auf, wie diese Haltungen das pädagogische Handeln in zwei unterschiedlichen Altersstufen bereichern können.

Altergruppe 3-6 Jahre

1. Echter Kontakt vor dem Inhalt:
Bevor die Stunden "beginnt", darf Ankommen geschehen. "Was hast Du heute auf dem Weg hierher gehört?" Carnegie betont, dass echtes Interesse der Schlüssel zur Verbindung ist - in der EMP wird dieses Interesse zur Grundlage des gemeinsamen Klangraums.

2. Namen als musikalisches Element
"Heute ruft die Trommel... MIA!" - Kinder, deren Name vorkommt, sind sofort dabei. Der eigene Name aktiviert Aufmerksamkeit und erzeugt ein Zugehörigkeitsgefühl. In Liedern, Reimen und Rhythmusspielen lässt er sich auch spontan und authentisch einweben.

3. Das Kind als Expertin/Experte
"Zeig mal, wie Du das klingen lassen würdest!"
Jede Antwort ist richtig, weil es um Ausdruck geht. Und das Kompetenzerleben ist die Grundlage von Motivation.

4. Rituale als Sicherheit
Gleichbleibende Begrüßungs- und Abschlussrituale sind für diese Altersgruppe keine Wiederholung - sie sind Heimat. Wer sich sicher fühlt, lässt sich leichter auf Neues ein und öffnet sich für musikalische Impulse.

Altersgruppe 6-10 Jahre

1. Mitbestimmung einbauen
"Wir haben heute drei Ideen - welche wollt Ihr zuerst ausprobieren?"
Kinder, die wählen dürfen, investieren mehr. Carnegie würde sagen: Lass den anderen glauben, es sei seine Idee. In der EMP bedeutet das, Kinder gestalten ihren Klangraum aktiv mit.

2. Reflexion statt Korrektur
"Was hat sich für Dich gut angefühlt?" oder "Was würdest Du beim nächsten Mal anders machen?"
Kinder in diesem Alter können sich selbst einschätzen, wenn man ihnen die Frage stellt. Das schützt das Selbstbild und fördert Eigenverantwortung.

3. Fortschritt sichtbar machen
"Erinnerst Du Dich, als das noch ganz schwierig war?"
Der Vergleich mit sich selbst, nicht mit anderen, motiviert nachhaltig. Carnegie betont, den Ehrgeiz anzusprechen. In der EMP heißt das: die eigene Entwicklung feiern. Besonders wichtig, wenn Kinder in diesem Alter beginnen sich mit anderen zu vergleichen.

4. Fehler als Forschung rahmen
"Oh, das war ein interessanter Klang - was ist da passiert?"
Diese Aussage nimmt dem Fehler den Stachel und hält die Neugier lebendig. Und es reduziert die Frustration, die eventuell entstehen kann.


Elementare Musikpädagogik und Carnegies Menschenbild teilen denselben Grundgedanken: Der Mensch - ob groß oder klein - braucht das Gefühl, gesehen, gehört und ernst genommen zu werden. In der EMP ist das nicht Methode, sondern Haltung.